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Transferkonzept des CMBB

Das „Center for Mind, Brain and Behavior“ (CMBB) ist eine hochschulübergreifende wissenschaftliche Einrichtung der Philipps-Universität Marburg (UMR) und der Justus-Liebig-Universität Giessen (JLU) im Forschungscampus Mittelhessen (FCMH). Im CMBB wirken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten - insbesondere Biologie, Informatik, Medizin, Neurowissenschaften, Pharmazie, Physik und Psychologie - beider Universitäten interdisziplinär zusammen.

Definition

Der CMBB versteht Transfer als den bilateralen Austausch von Wissen zwischen der akademischen und außerakademischen Welt, insbesondere in Bezug auf drei Handlungsfelder. Erstens, der Überführung von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in Anwendungen (z.B. in medizinischen, medizintechnischen, pharmazeutischen, psychotherapeutischen oder industriellen Bereichen) (Anwenden). Zweitens, der Beratung von Akteuren aus Politik, Gesellschaft, Verbänden und Wirtschaft um diese in die Lage zu versetzen wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Voraussetzungen und Grenzen zu verstehen und anzuwenden (Beraten). Und drittens, der aktiven Förderung und
Gestaltung des Austausches zwischen Wissenschaft und allgemeiner Öffentlichkeit (Kommunizieren).
Zu den zentralen Aufgaben des CMBB gehört, seiner Satzung entsprechend, die Unterstützung aller translationalen Ansätze und Prozesse, die diese drei Handlungsfelder bedienen. Dabei wird der Austausch in den drei Handlungsfeldern ausdrücklich als bilateraler Prozess im Hinblick auf langfristige Partnerschaften mit Akteuren aus den Zielgruppen der außerakademischen Welt verstanden. Insbesondere streben wir auch eine Verankerung dieser Prozesse in der Lehre und wissenschaftlichen Ausbildung an, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft langfristig zu fördern. In diesem Verständnis ist Transfer die Voraussetzung, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse der im CMBB organisierten Wissenschaftler/innen in die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und in wirtschaftliche Innovationen zu überführen.
Ziel dieses Transferkonzeptes ist es, die Ausgangslage zu analysieren und kurz-, mittel- und langfristige Ziele des Transfers zu definieren und Wege zum Erreichen dieser Ziele vorzuschlagen. Diese Zieldefinitionen sowie Maßnahmen zum Erreichen der Ziele bedürfen einer kontinuierlichen, jährlichen Überprüfung durch das Direktorium und seiner Kontrollorgane und resultierend daraus einer regelmäßigen Adjustierung.

Ausgangslage

Forschen und Anwenden

Drittmittelanträge bei BMBF und EU erfordern die Thematisierung der Translation von Ergebnissen der Forschung in Anwendungen oder sogar die Beschreibung präziser Transfermaßnahmen. Auch Forschungsanträge bei der DFG müssen inzwischen mögliche spätere Anwendungen, die aus der Grundlagenforschung resultieren können, explizit benennen. Alle Wissenschaftler/innen werden sich also mittelfristig mit Aspekten des Transfers beschäftigen müssen. Gleichzeitig haben nicht alle Mitglieder bereits konkrete Vorstellungen, in welche Anwendungsbereiche ihre Forschung hineinwirken könnte, oder besitzen Kontakte zu entsprechenden Transferpartnern (z.B. Unternehmen aus dem Gesundheitsweisen oder der Industrie). Zudem ist das Erstellen eines Überblicks wissenschaftsinteressierter und forschungsaktiver Unternehmen zeitintensiv und der Aufbau eines Erstkontakts stellt häufig eine Hürde dar, die weitere Aktviitäten verzögert oder gar zum
Erliegen bringt. Andererseits verfügen einige der im CMBB mitwirkenden Wissenschaftler/innen bereits über Kontakte zu regionalen und überregionalen Unternehmen z.B. aus den Bereichen der Messtechnik oder Pharmazie (z.B. Thomas Recording Giessen, Avisoft Bioacoustics e.K., Zeller, Schwabe) als auch über Erfahrungen mit gelungener Translation von Grundlagenforschung in industrielle und klinische Anwendungen.

Kommunizieren und Beraten

Zahlreiche Arbeitsgruppen des CMBB beteiligen sich an vielfältigen Outreach-Veranstaltungen, z.B. den Kinderuniversitäten von UMR und JLU, Girls and Boys Days, oder der Straße der Experimente der JLU, und kommunizieren ihr Wissen und ihre Forschungsergebnisse regelmäßig in öffentlichen Vorträgen und Print- und Onlinemedien. Zum Beispiel bringt das CMBB-Neurokolloquium als universitätsoffene Veranstaltung mit etwa fünf Vorträgen renommierter nationaler und internationaler Wissenschaftler/innen pro Semester neueste Ergebnisse der Neurowissenschaften einer breiten Öffentlichkeit näher.
Darüber hinaus tragen einige Wissenschaftler/innen innerhalb des CMBB bereits erfolgreich zum Transfer bei, indem sie Verbände (z.B. Bündnis gegen Depression) oder Akteure aus Gesellschaft (z.B. Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie Marburg) und Politik (z.B. Landesministerien) beraten. Eine wichtige Rolle spielt auch die Kommunikation und Beratung sowie die Arbeit in den verschiedenen Förderorganisationen, wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden (z.B. Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, Neurowissenschaftliche Gesellschaft, Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft, Apotheker- und Ärztekammern), in denen Mitglieder des CMBB bereits aktiv sind. Ziel des CMBB ist die Verankerung zentraler Qualifikationen der Wissenschaftskommunikation auf allen Karrierestufen unter Nutzung/Bereitstellung entsprechender Angebote.

Lehre und wissenschaftliche Ausbildung

Im Mittel verbleiben etwa 10% aller Promovierten in Deutschland langfristig in der Wissenschaft. Auch wenn dieser Anteil beispielsweise in der Psychologie höher ist (ca. 30%), findet die Mehrheit unserer Absolventen/innen zukünftig eine Anstellung außerhalb der Wissenschaft. Eine zielgerichtete Vorbereitung auf diesen Schritt nach dem Studium oder der Promotion findet derzeit noch nicht in hinreichendem Maß statt. Dies liegt u.a. darin
begründet, dass viele der Betreuer/innen ihre gesamte berufliche Laufbahn an Universitäten und Forschungsinstituten verbracht haben und nur wenig Einblick in mögliche außeruniversitäre Tätigkeitsfelder besitzen. Hier sind weitergehende Maßnahmen sinnvoll und notwendig, um hoch qualifizierten Wissenschaftler/innen eine Fortsetzung ihres Karrierewegs in Unternehmen, als Gründer oder im öffentlichen Dienst zu erleichtern. Hervorragend qualifizierte Absolventinnen und Absolventen sind zentrale Träger eines erfolgreichen Transfers. Gründungsinteressierte erhalten gezielte Angebote über die bewährten Strukturen der drei mittelhessischen Hochschulen (StartMiUp etc.).

Ziele

Für einen gewinnbringenden Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie (Anwenden) muss zunächst ermittelt werden, welche Bedarfe UMR und JLU auf der einen Seite und Unternehmen auf der anderen Seite haben. Gleichzeitig muss zu jeder Zeit erkennbar sein, dass sich Hochschulen und Unternehmen auf Augenhöhe begegnen und durch den Transfer für beide Seiten ein Mehrwert geschaffen wird. Ein Mehrwert für die Industrie sind stabile Zugänge zu den neuesten Forschungsmethoden und -ergebnissen, sowie eine größere Sichtbarkeit bei potentiellen Bewerber/innen. Weitere Mehrwerte können sich erst nach ersten Diskussionsrunden mit Vertretern der Industrie benennen lassen. Das CMBB nutzt seine Kontakte zur Industrie, um seinen Absolventen/innen einen Einblick in verschiedene Tätigkeitsfelder außerhalb der Wissenschaft zu ermöglichen.

Weiterhin verfolgt das CMBB das Ziel, den Austausch zwischen Wissenschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft zu fördern und aktiv zu gestalten (Kommunizieren und Beraten). Dafür sollen verschiedene Maßnahmen pro Jahr durchgeführt bzw. durch das CMBB gefördert und unterstützt werden.

Forschen und Anwenden

Das CMBB verfügt über Informationen darüber, welche Wissenschaftler/innen und Arbeitsgruppen bereits mit Industriepartnern zusammengearbeitet haben. Diese Informationen nutzt das CMBB um Leuchtturmprojekte zu identifizieren, die beispielhaft den bereits stattfindenden Transfer nach innen und außen kommunizieren. Darüber hinaus sollen transfererfahrene Wissenschaftler/innen als feste Ansprechpartner/innen für den Transfer benannt werden. Weiterhin soll auf der Homepage des CMBB, sowie mittels gezielter Veranstaltungen über bereits bestehende Transferangebote und -organisationen (z.B. TransMIT, StartMiUp) der JLU, UMR oder der Region informiert und die Ansprechpartner/innen dieser Organisationen genannt werden. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) soll perspektivisch ausgebaut werden, um die vorhandenen Netzwerke und Kompetenzen der THM im Bereich Transfer auch für die Mitglieder des CMBB zu erschließen.

Zusätzlich sollen neue Pilotprojekte identifiziert werden, die besonders vielversprechende Transferaktivitäten von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Anwendung zum Inhalt haben. Durch die Begleitung und Evaluation dieser Pilotprojekte sollen Chancen und Herausforderungen des Transfers, insbesondere für Wissenschaftler/innen aus den Forschungsfeldern des CMBB, herausgearbeitet werden.

Zudem sollte das CMBB abfragen, ob und welche Industriepartner (oder Sparten), z.B. für Forschungsanträge oder andere wissenschaftliche Projekte, gesucht werden. Langfristig soll eine Datenbank entstehen, die für alle Mitglieder des CMBB einsehbar ist und die Kontaktadressen relevanter Industriepartner enthält – dazu soll auch mit der Industrie- und Handelskammer und den Transferstellen der UMR, JLU und THM zusammen gearbeitet werden. Auch die Mitglieder selber, die Interesse an außeruniversitären Kooperationen haben, sollen dort Informationen zu ihren Arbeiten und Forschungsschwerpunkten einstellen, so dass das CMBB bei Anfragen aus der Industrie Kontakte zu diesen Kollegen/innen herstellen kann. Wie in der Satzung verankert, soll das CMBB so zum Partner der Industrie werden.

Kommunizieren und Beraten

Neben dem Neurokolloquium sollen weitere Formate (z.B. über social media, Nacht der Neurowissenschaft respektive Nacht der Zentren, Ringvorlesungen, etc.) geschaffen werden, durch die die Wissenschaftler/innen des CMBB mit der Gesellschaft kommunizieren. Zudem soll Wissenschaftskommunikation als feste Komponente in unser Ausbildungsprogramm (Master, PhD) aufgenommen werden. Auch für PostDocs und PIs soll es Möglichkeiten zur Weiterbildung in Wissenschaftskommunikation geben. Zudem können Beiträge des CMBB zu regelmäßigen Vortragsveranstaltungen und Fortbildungen von wissenschaftlichen Fachgeselllschaften (z.B. Neurowissenschaftliche Gesellschaft, Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft) und Berufsverbänden (z.B. Apotheker- und Ärztekammern) zum Wissenstransfer und Austausch beitragen.

Lehre und Ausbildung

Das CMBB setzt sich zum Ziel, Angebote zu schaffen, die den Absolventen/innen (Master, PhD) eine informierte Suche nach außeruniversitären Karriereoptionen ermöglichen können. Dafür sollen beispielsweise „Career path seminars“ stattfinden, bei denen frühere Absolventen/innen die heute außerhalb der Wissenschaft tätig sind, ihre Erfahrungen an die Nachwuchswissenschaftler/innen weitergeben können. Zudem sollen Foren geschaffen werden, bei denen es zum gegenseitigen Austausch von Wirtschaft und (Nachwuchs-)Wissenschaftler/innen kommen soll (z.B. Kamingespräche, Tag der Neurowissenschaft, (Job-)Börsen, dementsprechende Zusammenarbeit mit der MArburg University Research Academy MARA und den JLU-internen Fort- und Weiterbildungsprogrammen).
Mittel- bis langfristiges Ziel soll ebenfalls die Erstellung einer Datenbank sein, in denen Unternehmen gelistet sind, die Plätze für Praktika, externe Abschlussarbeiten bis hin zu konkreten Stellen anbieten.